25.08.2026, 14:49 Uhr - Autor: Jens Schnabel
Rekordniveau, begrenzte Euphorie
Der DAX bleibt nahe seiner historischen Höchststände. Am Dienstag notiert der Leitindex bei rund 26.300 Punkten und damit gut 200 Punkte über dem Freitagsschluss von 26.136,56 Punkten. Im Handelsverlauf ging es bis 26.341 Punkte nach oben. Das Allzeithoch liegt bei 26.573,50 Punkten.
Der Abstand zum Rekord ist damit überschaubar. Die Stimmung ist es weniger. Nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen Monate halten sich Anleger zunehmend zurück. Das ist an einem Markt auf Rekordniveau nicht ungewöhnlich: Je höher die Kurse steigen, desto wichtiger wird die Frage, was die nächsten Gewinne noch rechtfertigen können.
Der DAX muss derzeit also nicht gegen eine Verkaufswelle kämpfen. Er muss beweisen, dass ihm auf diesem Niveau noch genug Argumente für weitere Kursgewinne bleiben.
Der Chart zeigt: Der Rekord ist nah, der Trend nicht makellos
Charttechnisch bleibt das Bild konstruktiv, aber nicht mehr eindeutig. Nach dem Rekordhoch von 26.573 Punkten Mitte August fiel der DAX zunächst bis knapp unter 25.000 Punkte zurück und stabilisierte sich anschließend. Die vergangenen Handelstage zeigen eine Seitwärtsbewegung um 26.000 bis 26.300 Punkte.
Kurzfristig liegt damit die entscheidende Zone bei etwa 26.000 Punkten. Hält sie, bleibt ein erneuter Angriff auf 26.500 Punkte plausibel. Ein Ausbruch über das bisherige Rekordhoch würde das Chartbild wieder klarer machen. Fällt der Index dagegen nachhaltig unter 26.000 Punkte, steigt das Risiko einer größeren Konsolidierung.
Das ist der unspektakuläre Teil der Börse: Für den nächsten Rekord braucht es nicht viel – außer Käufe. Und genau die sind derzeit nicht selbstverständlich.
Bewertung: Nicht mehr billig
Die Bewertungsfrage wird mit jedem weiteren Punkt wichtiger. Das aktuelle DAX-KGV liegt bei rund 17,9.
Damit ist der deutsche Leitindex kein Schnäppchen mehr. Die höhere Bewertung lässt sich rechtfertigen, wenn die Unternehmensgewinne weiter steigen. Genau hier liegt der Prüfstein für die kommenden Quartale.
Der DAX ist zudem kein besonders genauer Spiegel der deutschen Binnenwirtschaft. Seine Schwergewichte verdienen einen erheblichen Teil ihres Geldes im Ausland. Siemens, SAP und Siemens Energy gehören zu den größten Indexpositionen; hinzu kommen exportorientierte Industrie-, Auto- und Chemiekonzerne.
Das macht den Index weniger abhängig vom deutschen Konsum, aber stärker von Weltkonjunktur, Energiepreisen, Handelspolitik und Wechselkursen.
Deutschland liefert bessere Daten – aber vor allem über den Export
Die Konjunkturdaten geben dem DAX am Dienstag Rückenwind. Das deutsche BIP stieg im zweiten Quartal um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Zugleich wurde das Wachstum des ersten Quartals auf 0,4 Prozent revidiert. Besonders wichtig: Die Exporte legten im zweiten Quartal deutlich zu.
Auch das ifo-Geschäftsklima verbessert sich. Der Index stieg im August von 86,7 auf 88,8 Punkte und damit stärker als erwartet. Die Unternehmen blicken wieder zuversichtlicher auf die kommenden Monate.
Das passt zum DAX – mit einer Einschränkung: Ein Teil der Erholung hängt an der Exportwirtschaft. Genau diese Stärke kann bei einer schwächeren Weltkonjunktur schnell zum Risiko werden.
Rüstung, Energie, Industrie: Der DAX hat seine eigenen Konjunkturwetten
Auffällig bleibt die Zusammensetzung der Rally. Verteidigungsausgaben und der Ausbau der Energieinfrastruktur stützen Unternehmen wie Rheinmetall und Siemens Energy. Gleichzeitig profitieren klassische Industrieunternehmen von Investitionen und einer besseren Exportperspektive.
Bei Rheinmetall ist die Euphorie allerdings deutlich abgekühlt. Die Aktie notiert am Dienstag bei rund 1.125 Euro und damit mehr als 40 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Im DAX ist der Titel mit rund 2,4 Prozent gewichtet – wichtig für die Börsenstory, aber kein alleiniger Index-Treiber.
Anders Siemens Energy: Die Aktie legt am Dienstag mehr als zwei Prozent zu und gehört damit zu den stärkeren DAX-Werten. Mit knapp sechs Prozent Indexgewicht hat die Bewegung auch für den Gesamtmarkt Bedeutung.
Bei SAP zeigt sich dagegen die andere Seite des Marktes: Der Softwarekonzern verliert am Dienstag rund 0,7 Prozent und liegt noch deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch. Mit knapp zehn Prozent Gewicht ist SAP zugleich einer der wichtigsten DAX-Titel.
Siemens wiederum steigt um knapp zwei Prozent und nähert sich seinem 52-Wochen-Hoch.
Das Bild ist damit weniger „DAX steigt geschlossen“ als „bestimmte Segmente tragen den Index“.
Die Termine werden wichtiger
Am Dienstag stehen zunächst die deutschen Konjunkturdaten im Mittelpunkt: Die zweite BIP-Schätzung und der ifo-Geschäftsklimaindex haben beide positiv überrascht. Im weiteren Tagesverlauf richten sich die Blicke auf US-Konjunkturdaten und die Wall Street.
Noch wichtiger wird die zweite Wochenhälfte. Vom 27. bis 29. August findet das Notenbank-Symposium in Jackson Hole statt. Dort richtet sich der Fokus auf die Signale der US-Notenbank zur weiteren Zinspolitik.
Hinzu kommt der Nvidia-Zahlenabend am Mittwoch. Für den DAX ist das relevant, weil Halbleiter- und Technologiewerte über die globale Risikobereitschaft auch auf europäische Aktien ausstrahlen.
Rekordbörse trifft Skepsis
Der DAX hat derzeit zwei Gesichter. Die Kurse signalisieren Stärke, die Anleger agieren vorsichtiger. Beides kann gleichzeitig bestehen, solange die Gewinne mit den Kursen Schritt halten.
Die nächsten Wochen werden deshalb weniger von der Frage bestimmt, ob der DAX 26.500 Punkte erreicht. Entscheidend ist, ob Unternehmen aus Industrie, Technologie, Energie und Exportwirtschaft die Erwartungen weiter erhöhen können.

